Montag, 15. März 2010

Gute-Laune-Socken

Im Rahmen der Nadelparade war das Monatsthema für März: Gute-Laune-Socken aus mindestens drei verschiedenen Farben. Gestern sind sie fertig geworden, meine Socken in Mischtechnik.

Während des Arbeitens hatte ich sehr gute Laune, die sich kurzfristig etwas verflüchtigt hat, als ich bei der ersten Ferse angelangt war. Was ich nämlich nicht bedacht hatte: Dadurch dass das Muster gehäkelt ist, ist es auch viel straffer und fester als bei gestrickten Socken. Ich hatte keine Chance, sie mir über die Ferse zu ziehen. Kurz geschluckt, überlegt, dann umdisponiert und sie überhaupt kleiner gemacht. Somit war die gute Laune wieder hergestellt. Größe 35, würde ich sagen. Vielleicht passen sie meiner Nichte. Das Muster ist gehäkelt, der Rest gestrickt.

Dann hätte ich hier noch eine Großaufnahme, die bei besseren Lichtverhältnissen entstanden ist.
Grundsätzlich muss ich sagen, ich bin zufrieden, diese Hürde genommen zu haben, aber fairerweise will ich auch dazusagen, dass ich schon viel schönere Gute-Laune-Socken gesehen habe. Zu den Ergebnissen der anderen Teilnehmerinnen geht es hier, ein paar sind schon fertig.

Sonntag, 14. März 2010

Korb

Irgendwie kommt es mir heute so vor, dass die Vögel viel fröhlicher zwitschern als in den letzten Monaten. Nicht so depressiv wie zuletzt. Ob das ein gutes Zeichen ist?

Auf jeden Fall ist mein Häkelkorb fertig geworden.

Falls Fragen auftauchen, wofür der gut sein soll: Man kann das nächste Projekt hinein legen. Zum Üben probiere ich mich jetzt einmal an einem Deckchen, wobei die Schwierigkeit darin besteht, die englische Anleitung ins Deutsche zu übersetzen. Beim Stricken klappt das ja mittlerweile ganz gut, aber beim Häkeln gibt es da doch einige Probleme.
Und falls Fragen auftauchen, wofür ich ein Häkeldeckchen brauche: Was wäre das Leben ohne diese netten, kleinen Sinnlosigkeiten, die doch so viel Spaß machen?

Freitag, 12. März 2010

Sockenpaar 1 (von 3)

Nicht viel Zeit für den Blog war diese Woche. Viel gearbeitet, meine Tochter war zu Besuch da und ist heute wieder abgereist, und jetzt beginnt ein langes und hoffentlich entspanntes Wochenende.
Ganz untätig war ich aber nicht. Das erste Paar Socken für Antje ist vor ein paar Tagen schon fertig geworden.

Sehr zufrieden bin ich damit, das Muster gefällt mir wirklich gut.
Apropos Socken: meine Tochter möchte welche für den nächsten Winter. Hehe.

Ja, und zur Feier des Tages habe ich heute einen kleinen Einkauf getätigt. Großmaul Margot hat wieder einmal große Pläne, weil die angefangenen Sachen nicht reichen. Da ist mir letztens ein Buch über Filethäkeln in die Hände gefallen, woraufhin es mich gewaltig in den Fingern zu jucken begonnen hat und ich von einer merkwürdigen Unruhe befallen worden bin. Hier seht ihr also das vorläufige Ergebnis dieser Unruhe.

Montag, 8. März 2010

Tristesse - mehr fällt mir nicht ein

Der Zeitung habe ich wieder einmal entnommen, dass Männer- und Fraueneinkommen weiter auseinander gehen. Der Zeitung habe ich wieder einmal entnommen, dass die Frauenbeschäftigungsquote weiter zurückgeht. Der Zeitung habe ich wieder einmal entnommen, dass versprochene Kinderbetreuungsplätze doch nicht kommen, weil kein Geld vorhanden ist. Alles beim Alten sozusagen, an diesem heutigen Frauentag. Kein Grund zur Aufregung.
Dafür haben wir jetzt eine Bundespräsidentschaftskandidatin aus dem sehr rechten Lager, deren erste Forderung nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur es war, das NS-Verbotsgesetz möge doch bitte aufgehoben werden. Brauchen wir nicht mehr, ist nicht mehr zeitgemäß, blablabla. Die Anzahl der Anzeigen steigt jährlich an. Kein Grund zur Aufregung. Werde wohl einen Mann wählen müssen.
Hat es überhaupt einen Sinn, sich aufzuregen, frage ich mich an diesem heutigen Frauentag. Etwas gedämpft bin ich, um nicht zu sagen, bedrückt. Die Antwort muss natürlich lauten, ja, es hat einen Sinn, sich aufzuregen. Ohne Aufregung wäre alles noch viel schlimmer. Und ohne unsere Vorgängerinnen wäre alles noch viel schlimmer. Grund zum Feiern sehe ich keinen. Die rechtliche Gleichstellung existiert auf dem Papier, wie sieht die Wirklichkeit aus?

Zum heutigen Frauentag schicke ich euch eine Kaktusblüte. Schön ist sie, finde ich. Überhaupt ein sehr zähes Gewächs, dieser Kaktus, fällt mir auf. Aller Vernachlässigung zum Trotz blüht er.

Freitag, 5. März 2010

Über das Reden und das Schweigen

Da gibt es eine Frau, wie soll man die beschreiben, sehr nett ist sie. Freundlich, liebenswert, auch intelligent, wirklich nett. Aber - wenn man ihr in die Fänge gerät, dann lässt sie einen nicht mehr los. Sie redet und redet und redet, ob einen die Geschichten interessieren oder nicht. Sie hat eine eigene Technik entwickelt, ihre Gesprächsopfer nicht entkommen zu lassen, die ich noch nicht durchschaut habe.
So hat sie mir diese Woche eine ganze Menge Geschichten erzählt, die ich mir nicht alle gemerkt habe, weil ich irgendwann die Ohren auf Durchzug geschaltet habe, aber eine geschilderte Szene hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Man stelle sich vor: eine Geburstagfeier. Einige Gäste sind eingeladen, man isst und trinkt und unterhält sich. Nach dem Essen gibt es eine musikalische Darbietung. Die Schwiegertochter trägt ein selbst komponiertes Lied vor. Schreckliche Katzenmusik, so die Schilderung, nicht anzuhören. Entweder war das Lied so schlecht oder der Vortrag so erbärmlich. Und die Gäste haben auch noch Beifall geklatscht! Der 8-jährige Sohn des Hauses hat sogar gerufen: "Zugabe! Zugabe!" Dann gab es noch ein Lied. Es war nicht auszuhalten für diese Frau, die so gerne redet. Ich kann mir das richtig gut vorstellen. Da singt jemand, und die Zuhörer haben zu schweigen. Das muss wirklich entsetzlich gewesen sein.
Nächstes Mal, wenn ich sie treffe, singe ich auch.

Zu zeigen gibt es heute mein neuestes Machwerk. Da ich so ein bisschen im Häkelfieber bin, habe ich mir gedacht, ich mache einen netten kleinen Aufbewahrungskorb. Muss aber noch wachsen.

Montag, 1. März 2010

Nadelparade - Aufgabe für März

Bei der Nadelparade geht es in die nächste Runde. Die Märzaufgabe lautet: Gute-Laune-Socken in mindestens drei verschiedenen Farben.

Jetzt habe ich meine Bestände durchforstet und diese Farben gefunden. Die werden es. Mehr verrate ich noch nicht. Nachdem die Februaraufgabe schon solchen Spaß gemacht hat, freue ich mich jetzt schon sehr auf diese neue Herausforderung.
Und für alle, die neugierig sind: Die vielen verschiedenen Februar-Handymützchen kann man hier bewundern. Dort findet ihr auch einen Link, wo man sich noch anmelden kann (falls noch jemand mitmachen will). Ich bemühe mich auch sehr, auf dem Laufenden zu bleiben, wenn wieder jemand etwas fertiggestellt hat, und ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert von den vielen verschiedenen Ideen, die umgesetzt wurden. Toll!

Sonntag, 28. Februar 2010

Strickbericht

Diese Wochenenddienste gehen an die Substanz. Erschöpft bin ich. Nächste Woche wieder. Aber wenigstens morgen habe ich frei. Es bleibt so wenig Freizeit über, wenn man sechs Tage hintereinander Dienst hat, und auch die Qualität der Freizeit ist etwas eingeschränkt, wenn man am Ende der Woche nur mehr auf schmerzenden Füßen durch die Gegend wankt.
Wenigstens ein fertiges Stück kann ich euch zeigen.


Mein Resteverwertungstuch ist über die Ziellinie gestolpert. Von den Farben bin ich sehr angetan, abgesehen davon war es nicht sehr aufregend zu stricken, weil es am Anfang immer nur gleich dahingeht. Man beachte: Tageslicht!
Auch die anderen Projekte nehmen langsam Gestalt an. Meine Jacke steht kurz vor der Fertigstellung. Beim Sockenpaar habe ich gestern mit der zweiten Socke begonnen. Ein bisschen ratlos bin ich, weil ich einfach den gleichen Farbverlauf nicht mehr finden konnte. Habe abgewickelt und abgewickelt, dann kam einige Male ein sehr grelles Türkis, das bei der ersten Socke gar nicht vorgekommen ist. Ich hoffe, sie werden nicht zu verschieden, die beiden.

Mittwoch, 24. Februar 2010

David

Nichts Neues zu zeigen, nichts fertig geworden. Ich lese immer bei anderen, dass irgendwelche Sachen von den Nadeln gehüpft sind. Das stelle ich mir dann immer sehr bildhaft vor. Aber bei mir hüpfen die Sachen nicht, die ziehen sich eher wie Strudelteig und schleppen sich mit letzter Kraft in die Zielgerade. Dann fallen sie erschöpft von den Nadeln.
Und weil ich eben nichts Neues zu zeigen habe, gibt es heute eine kleine, unbedeutende Geschichte.
Meine Nachbarn unter mir sind vor einiger Zeit ausgezogen, eine Familie mit zwei Kindern, denen wohl der Platz zu knapp geworden ist. Kurz vor dem Umzug hat der Familienvater stolz verkündet, sie hätten jetzt die Wohnung verkauft, und zwar an einen jungen Finanzberater. Was immer das sein soll, keine Ahnung. Klingt irgendwie aufgeblasen. Auf jeden Fall war mein Ex-Nachbar voll des Lobes für diesen jungen Mann, der seiner Meinung nach hervorragend in unser Haus passen würde. Nun waren wir alle sehr gespannt auf den Neuen. Einige Zeit später sind dann zwei junge Männer in rostigen Autos vorgefahren, haben Bretter, Matratzen und sonstiges Zeug für einen Haushalt in die Wohnung getragen, große Aufregung war, es wurde gehämmert und gebohrt, und irgendwann stellte sich dann heraus, dass der junge Finanzberater die Wohnung weiter vermietet hatte. Nun habe ich eine Studenten-WG unter mir. Wahrscheinlich müssen sie teures Geld für ein Zimmerchen berappen, aber das ist nur ein Detail am Rande. Die WG besteht aus drei Personen. Ein Oberösterreicher, eine Ungarin, und dann gibt es noch einen Spanier. Sehr nette, friedfertige junge Leute. Manchmal hört man von unten einen Stabmixer, dann stelle ich mir immer vor, wie sie sich eine Bananenmilch mixen, manchmal hört man auch schwermütige spanische Weisen, manchmal hört man tiefgreifende Diskussionen, manchmal hört man gar nichts.
Alles nicht weiter weltbewegend. Allerdings hat der Spanier eine bemerkenswerte Eigenschaft. Er sieht aus wie Michelangelos David. Nicht ganz, das wäre jetzt geschwindelt, er hat eine andere Frisur und ist bekleidet, aber abgesehen davon ist die Ähnlichkeit wirklich bemerkenswert. Nicht nur mir ist das aufgefallen. Ich glaube, sämtliche Nachbarinnen haben das bemerkt. Wenn nun also der schöne Pablo das Haus verlässt, dann sieht man rundherum in den Fenstern, wie sich die Vorhänge plötzlich bewegen. Meine nicht, ich habe nämlich keine Vorhänge. Morgens im Bus treffe ich oft eine Nachbarin, und dann werde ich regelmäßig ausgefragt, was der schöne Pablo so treibt. Bananenmilch mixen, erkläre ich dann immer. Ungläubiges Staunen begegnet mir dann. Kurz und gut, Pablo ist ein kleiner Star und ahnt womöglich gar nichts von seinem Ruhm. Und da ich mir ziemlich sicher bin, dass meine Nachbarinnen hier nicht mitlesen, kann ich euch ja verraten, dass der schöne Pablo kurz vor Weihnachten in einen Zustand tiefsten Liebeskummers verfallen ist. Traurig, aber wahr. Und das werde ich meiner Nachbarin ganz sicher nicht erzählen.

Sonntag, 21. Februar 2010

Der Anfang ist gemacht

Muss schnell ein Beweisbild herzeigen, damit hier niemand glaubt, ich stricke nicht.

Das ist das Muster für das erste Paar Socken. Es sieht aus wie kleine Zöpfe, aber in Wirklichkeit sind es keine. Der Farbverlauf dieser Wolle gefällt mir sehr gut, es gibt keine abrupten Wechsel, das tut dem Muster gut.
Und noch eine wichtige Meldung gibt es: Die Sonne scheint!

Freitag, 19. Februar 2010

Wie Weihnachten

Post aus dem hohen Norden habe ich erhalten. Die liebe Antje aka Kuestensocke hat mir ein Päckchen geschickt. Da musste ich noch schnell das letzte bisschen Tageslicht ausnutzen und ein Foto machen. Schaut euch diese Pracht einmal an.


Antje hat nämlich einen genialen Plan ausgeheckt, der in etwa so aussieht, dass ich ihr Socken stricke, weil ich doch kaum Sockenopfer in meiner Verwandt- und Bekanntschaft habe und so gerne Socken stricke, während sie viel zu viele Sockenopfer hat. Ich freue mich schon so.
Dann waren noch ein paar Tees dabei, die ich bald testen werde, und mit dieser Wärmflasche hat es auch eine besondere Bewandtnis. In einem ihrer letzten Berichte war eine bestrickte Wärmflasche zu bewundern (hier), was mich zu der Bemerkung veranlasst hat, dass ich gar keine Wärmflasche habe. Dieser bedauernswerte Zustand ist hiermit auch geändert. Man ist ja immer wieder auf der Suche nach Dingen, die man stricken kann.
Die wunderschöne Karte mit den Mohnblumen drauf kommt auf dem Bild leider nicht so recht zur Geltung, aber man kann darauf gut erkennen, dass die Geschichte vom Sommer nicht nur ein Gerücht ist.
Vielen, vielen Dank!

Montag, 15. Februar 2010

Kultur

Ich kenne einen Mann, das englische Wort Gentleman wäre passend für ihn. Perser, seit vielen Jahren in Österreich, spricht hervorragend Deutsch mit einem leichten Akzent, sehr gewählte Ausdrucksweise. Die Worte, die er ausspricht, spricht er mit Bedacht, und für gewöhnlich haben sie genau die Bedeutung, die sie haben. Ich unterhalte mich gerne mit ihm.
Vor ein paar Tagen habe ich ihn wieder einmal getroffen. Er hat von seinen Kindern erzählt, die in Wien leben, und dass er bald Großvater wird, mit leichtem Bedauern, weil das Enkelkind dann so weit weg ist. Ein bisschen wehmütig hat er gewirkt.
Und dann - da gibt es jetzt keinen Zusammenhang mit den Kindern - hat er gemeint, früher wäre vieles besser gewesen. Er ist damals hierher gekommen wegen der Kultur, und nun muss er feststellen, dass wir Europäer unsere Kultur verlieren.
Der Blick von außen ermöglicht es manchmal, gewohnte Gedanken anders zu denken und Selstverständliches nicht mehr für selbstverständlich zu halten. Als er das Wort Kultur gesagt hat, war mein erster Gedanke, die Kunst, die Musik, die Literatur, die Architektur, das Theater. Doch dann habe ich den Gedanken weiter verfolgt und mich gefragt, was ist das eigentlich, die Kultur? Und bin zu dem Schluss gekommen, dass Kultur wesentlich mehr ist als Kunst, Musik, Literatur usw. Kultur ist all das, was über die bloße Bedürnisbefriedigung (essen, schlafen, ein Dach über dem Kopf) hinausgeht. Die Kunst ist davon nur ein kleiner Teil. Kultur ist die Art, wie wir unser Zusammenleben gestalten, Kultur ist die Art der Staatsform, Kultur ist es, wie wir mit unseren Kindern umgehen, wie wir uns zum Essen zusammenfinden, im Grunde ist alles Kultur.
So gesehen ist es unmöglich, Kultur zu verlieren. Aber die Qualität der Kultur kann sich ändern. Und das ist etwas, das sich tatsächlich geändert hat. Vielleicht ist das aber auch nur mein subjektives Empfinden, manche Dinge verlieren mit der Zeit einfach ihren Glanz. Was mir durch diese kleine Bemerkung vor Augen geführt wurde, ist, dass sich der Umgang der Menschen miteinander ganz wesentlich geändert hat. Sie sind härter geworden, sie setzen ihre Ellbogen mehr ein als früher, sicher auch bedingt dadurch, dass sich manche Rahmenbedingungen geändert haben. Es war ein schleichender Prozess, nicht so offensichtlich. Ich denke, dass das damit gemeint war, als er sagte, wir verlieren unsere Kultur. Trotzdem - seine Worte haben für gewöhnlich genau die Bedeutung, die die Worte eben haben. Das irritiert mich.

Freitag, 12. Februar 2010

Gerade noch jugendfreier Artikel

Der Alltag hat mich wieder, Urlaub vorbei, und als wäre das noch nicht genug, musste ich diese Woche Schreckliches in der Zeitung lesen. Einer amerikanischen Studie zufolge ist Bloggen nicht mehr sexy. Das liegt daran, dass die Blogger immer älter werden und kaum junge Leute nachkommen.
Aber hallo! Erstens: Was hat das mit dem Alter zu tun? Und zweitens: Gibt es da draußen ernsthaft Personen, die meinen, dass ein Strickblog nicht sexy ist? Oder wie ist das gemeint? Ich muss da jetzt wirklich widersprechen.


Jetzt schaut euch doch einmal mein Nadelkissen an, das ich gestern gehäkelt habe! Wenn das nicht sexy ist!
Der Grund, warum ich noch eines gemacht habe, ist, dass meine Tochter (die jünger ist als ich), als sie das erste Nadelkissen gesehen hat, sehr angetan war und auch eines haben wollte.

Dann gibt es noch eine Vorschau auf Zukünftiges. Da raune ich euch jetzt mit meiner verführerischsten Stimme ins Ohr, dass ich schon wieder ein Tuch angefangen habe, um davon abzulenken, dass die ultimative und flippigste und sexieste Tragevariante noch nicht gefunden ist.
Und die sinnlichen Wollberge, die bei mir eingezogen sind, zeige ich euch gar nicht erst, sonst wird es zu viel. Nicht dass mein Blog als nicht mehr jugendfrei eingestuft wird.

Montag, 8. Februar 2010

Krisengedanken

Kurz vor meinem Urlaub war ich mit meinem arbeitslosen Freund essen. Er hat voller Begeisterung von der Maßnahme berichtet, die ihm aufgebrummt worden ist. Der Name der Beratungsfirma ist egal, er lernt dort, sich blind zu bewerben und macht einen Computerkurs. Alles sehr sinnvoll, wie er findet. Ehrlich. Seit zwei Jahren ist er jetzt arbeitslos, intensiv auf der Suche und sehr arbeitswillig.
Letzte Woche geisterte dann eine Meldung durch die Medien, bei der normalerweise sämtliche Alarmglocken schrillen müssten. In Österreich sind zur Zeit 400000 Menschen arbeitslos. Das bei einer Bevölkerung von 8 Millionen Menschen.
Und wieder ein paar Tage später war dann eine Meldung in der Zeitung, bei der ich schlucken musste. Es gibt eine Branche, die der Krise trotzt und die sogar enorme Zuwachsraten verzeichnen kann. Die Beschäftigtenzahlen in dieser Branche sind gewaltig gestiegen, sie können nicht klagen. Bei dieser Branche handelt es sich um die Beraterfirmen. Diejenigen, welche Arbeitslosen beibringen, wie man in Worddateien seine Bewerbungsdaten einfüllt zum Beispiel. Diejenigen, welchen vom Arbeitsmarktservice die Kundschaft vermittelt wird, auf dass die Zahl der Arbeitslosen schrumpfen möge.
Ich habe dann so gegrübelt über die geheime Logik dieser Tatsache und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass diese Branche eigentlich gar kein Interesse an sinkenden Arbeitslosenzahlen haben kann. Die Arbeitslosen sind ihre eigene Existenzberechtigung. Was täten sie, gäbe es plötzlich keine Arbeitslosen mehr?
Vielleicht erliege ich da aber auch einem Trugschluss. Über heftigen Widerspruch würde ich mich jetzt direkt freuen. Da wäre mir wohler.

Söckchen

Eine Erfolgsmeldung gibt es heute.

Socken sind fertig geworden. Nicht wirklich weltbewegend, findet meine Katze, aber mir gefallen sie gut.

Und noch ein Bild vom Muster. Harris Tweed Socks bei Ravelry.

Samstag, 6. Februar 2010

Lebe noch

Nicht viel los war hier in den letzten Tagen. Irgendwie war nicht so recht Zeit für den Blog. Meine Tochter war zu Besuch da, gestern Familienessen im Wirtshaus (Ravioli gefüllt mit Spinat und Ricotta muss ich auch einmal machen - so gut!), und ansonsten war einfach die Zeit knapp. Aber heute ein kleines Lebenszeichen.


Schnee von gestern ist hier zu sehen. Der schneebefüllte Graben ist im Sommer ein "reißendes" Rinnsal mit dem Namen Höllbach. Heute Regen, die Schnemassen schrumpfen vor sich hin, was mich gar nicht weiter stört und wovon ich hoffe, dass diese Tendenz anhält.
Gestrickt habe ich auch, dafür ist meistens Zeit.

Hier der aktuelle Stand bei meiner Strickjacke. Besonders schnell geht das nicht mit dieser dünnen Wolle, außerdem soll es eine lange Jacke werden.

Dienstag, 2. Februar 2010

Nadelparade - Bilderserie

Ich habe mich bemüht, die Strickzeit etwas zu verlängern, trotzdem war dieses Mützchen doch sehr schnell fertig.

Einmal von vorne. Nachempfunden ist es diesen Schimützen, die vorne einen Schlitz zum Rausschauen haben.

Sehr genial finde ich auch, dass man, wenn man das Handy umdreht, eine versteckte Kamera hat. Dort wo der Finger ist, steht der Firmenname.

Und ganz besonders stolz bin ich auf diese kunstvolle Stickerei.

Noch einmal von hinten. Ihr müsst mir jetzt nicht gleich einen Preis verleihen (aber nett wäre es schon)

Montag, 1. Februar 2010

Nadelparade Februar

So, es geht los. Gestern Abend hat Claudia das Monatsthema bekanntgegeben.

Die Aufgabe für Februar lautet, eine Handyhülle in Form einer Mütze zu stricken. Freundliche Frühlingsfarben soll sie haben, damit man sich schon ein bisschen auf den Frühling freuen kann.

Da habe ich gestern noch in meinem Restedepot gewühlt (da gibt es Wolle, von der ich keine Ahnung hatte, dass ich sie überhaupt habe) und einiges zutage gefördert. Diese Frühlingsblümchenfarben würden mir zum Beispiel gut gefallen.

Oder vielleicht doch ein zartes Frühlingsgrün? Ich kann mich nicht entscheiden.
Falls noch jemand mitmachen will - hier kann man sich noch anmelden.

Sonntag, 31. Januar 2010

Dies und das, kleiner Erpressungsversuch

Gestern Großeinkauf, damit wir uns weiter zuhause einigeln können, falls wir hier eingeschneit werden. Der Lieblingsmann und ich wollten uns gleich beim Geschäft treffen. Ich stehe da so an der Ecke und beobachte das Geschehen, während ich warte. Wochenendverkehr, Stau, Schneematsch. Schräg gegenüber, zwei Häuser weiter, kommt ein junger Mann heraus. Versperrt die Haustüre, geht federnden Schrittes zu seinem Auto, steigt ein, fährt los. Zum Supermarktparkplatz, der 20 m entfernt ist. Was es nicht alles gibt. Ich will ihm ja nichts unterstellen, dem jungen Mann, vielleicht wollte er fünf Kisten Bier transportieren. Aber eigentlich glaube ich das nicht.

Zu zeigen gibt es heute eine Winternacht. War gestern eigentlich Vollmond? Ich mag ihn ja gar nicht, den Schnee. Aber wartet nur ab, ihr Winterfetischisten, irgendwann werde ich auch noch triumphieren. Wenn dann die ersten Blümchen rauskommen, die Vöglein immer lauter singen, dann schlägt meine Stunde. Und das dauert gar nicht mehr lange.

Der Vollständigkeit halber gibt es hier auch noch ein Bildchen von meinem Nadelkissen. Den breiten Spitzenrand hätte es eigentlich nicht gebraucht, aber es hat mich einfach so in den Fingern gejuckt.

Und dann hätte ich noch eine Anmerkung zur Nadelparade. Wahrscheinlich ist das so gedacht, dass wir hier wie auf Nadeln sitzen und es nicht mehr erwarten können, bis Claudia endlich damit rausrückt, was wir stricken dürfen. Hach, noch einmal schlafen, dann geht es los. Und ich hätte mir das so gedacht: Wenn es bis morgen in der Früh keine neuen Anweisungen gibt, ziehe ich einfach los und besorge mir auf Verdacht Sockenwolle. Nur damit ihr es wisst. Jawoll. So, Claudia, ist das jetzt eine handfeste Erpressung oder nicht?

Freitag, 29. Januar 2010

Zwischendurch

Zur Zeit habe ich ja Urlaub. Den verbringe ich bisher damit, den Schneebergen beim Wachsen zuzusehen und mich zu freuen, dass es hier drinnen warm ist. Nebenbei stricke ich und hecke neue Projekte aus und freue mich schon wie eine Wahnsinnige auf die Nadelparade. So ein Urlaub, wo man einfach nichts tut, ist was Schönes.
Vor einiger Zeit habe ich auch so beiläufig in des Lieblingsmannes Anwesenheit verlauten lassen, dass ich mich jetzt auch am Häkeln versuchen möchte. Er hat es ja auch zwangsläufig mitbekommen, als ich die Sockenwollrestedecke begonnen habe. Und was passiert?

Die hat er zufällig im Supermarkt gesehen. Reines Plastik in den herrlichsten Farben, und wie man sieht, eine fehlt. Die befindet sich in Verwendung. Da ich ja noch eher eine Häkelanfängerin bin, beginne ich jetzt einmal mit den Anfängerprojekten.

Offensichtlich ist sicher, dass dieses mein Nadelkissen ein neues Kleid braucht. Das weiße Zeug, das da an manchen Stellen hervorquillt, ist nicht Schnee, sondern Füllwatte.

Und so sieht das bisher aus. Wenn ich nicht zuerst einen viel zu großen Fleck gemacht hätte, den ich nachher wieder auftrennen musste, wäre es schon fertig, aber so ist es noch in Arbeit. Naja. Macht Spaß.
Insgeheim habe ich ja schon wieder alle möglichen höchst komplizierten Projekte in Planung. Aber erst einmal ein bisschen üben.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Ups

Fast vergessen hätte ich jetzt das Bildchen, das dazugehört. Wie gesagt, hier geht's lang.

Nadelparade

Aber jetzt ein völlig anderes Thema, das vielleicht so manche Stricker/-innen ansprechen wird.
Bei Claudia gibt es eine Nadel-Parade. Näheres kann man in diesem Artikel nachlesen. Es geht darum, dass einmal im Monat ein Thema gewählt wird, irgendein kleines Strickprojekt. Diese Projekte werden dann einmal im Monat vorgestellt und in einer Umfrage bewertet. Am Ende des Jahres gibt es dann ein Endergebnis, bei dem es auch tolle Preise zu gewinnen gibt.
Das stelle ich mir sehr lustig vor. Ob ich einen Preis gewinne oder nicht, ist mir eigentlich egal, aber ich freue mich darauf zu sehen, wie verschiedene Leute unterschiedlich an die Projekte herangehen. Da bin ich selbstverständlich dabei.
Aber vielleicht finden sich ja noch ein paar Mitbewerber??? Schaut doch einmal rein bei Claudia!

Bilder

Es gibt Bilder, die, wenn man sie einmal gesehen hat, für immer im Gedächtnis haften bleiben. Das Bild des Mädchens in Vietnam, das schreiend und von Napalm getroffen die Straße entlang läuft, hat Geschichte gemacht. Wer das Bild jemals gesehen hat, wird es nie vergessen.
Weniger bedeutende Bilder gibt es auch in kleinerem Zusammenhang. Jeder, der Urlaubsfotos macht, verbindet mit seinen Bildern bestimmte Momente und Ereignisse, die für den Rest der Welt nicht so wichtig sind, für ihn selbst aber sehr.
Solche Bilder gibt es auch in meiner Familie. Es gibt ein Bild von mir, noch sehr klein, wie ich mit heruntergelassener Hose auf dem Topf sitze und ein sehr verzwicktes Gesicht habe. Das ist ein Moment, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann und der in meiner Familie seit Jahrzehnten schon für Heiterkeit sorgt, weil ich damals die Worte ausgesprochen habe: "Ich war doch gestern schon auf dem Klo." Immer wieder wird diese Geschichte durchgekaut.
Etwas weiter zurück in der Geschichte gibt es ein Bild von meiner Mutter. Es stammt aus der Zeit, bevor sie mit meinem Vater verheiratet war. Mein Onkel hatte damals ein Auto gekauft, einen VW Käfer, und voller Stolz machten sie damit die erste Fahrt ans Meer, nach Grado. In den 50er-Jahren war das. Das Bild zeigt meine Mutter, an eine niedrige Mauer gelehnt, mit dem Meer zur rechten Hand. Das Besondere an dem Bild ist das Strahlen, das von ihm ausgeht. Meine Mutter, eine hübsche junge Frau mit schwarzen Locken damals, strahlt vor Glück. Nie habe ich sie so gesehen. Diese Unbeschwertheit und diese reine Freude an der Schönheit der Umgebung, die ist auf dem Bild eingefangen.
Noch weiter zurück in der Geschichte gibt es ein Foto vom ersten Ball nach dem Krieg. Darauf sieht man meine Tante, mit dicker Hornbrille und ihrem selbstgeschneiderten Ballkleid, im Mittelpunkt einer Runde von jungen Leuten. Eine quirlige Person war sie immer, man sieht auf dem Bild, wie sie die ganze Runde in ihren Bann schlägt. Alle sehen zu ihr auf. Am Rand des Bildes ist auch meine Mutter. Wunderschön ist sie, das schönste Mädchen weit und breit. Aber sie fühlt sich nicht wohl in so einer großen Runde. Viel lieber wäre sie zuhause geblieben, hätte nicht meine Tante gesagt: "Geh doch mit! Das wird sicher lustig!" So sitzt sie abseits und bemüht sich, Haltung zu bewahren und den Abend irgendwie zu überstehen.
Gemeinsam ist diesen Bildern, dass sie alle mein Onkel gemacht hat. Zeit seines Lebens war er ein begeisterter Fotograf, der immer ein Gespür für die besonderen Momente hatte. Vielleicht haben manche von euch schon Diavorträge gesehen. Die gab es vermehrt früher, bevor die Digitalfotografie das Rennen gewonnen hat. Das war eine festliche Angelegenheit. Eine große Leinwand musste aufgebaut werden, der Projektor genau ausgerichtet, dann wurde das Licht ausgemacht, und alle konnten überlebensgroß Klein-Margot auf dem Topf betrachten - zum Beispiel. Es gab Vorträge, bei denen man Mühe hatte, wach zu bleiben, weil die Bilder so abgrundtief schlecht waren, und es gab Vorträge, bei denen man gebannt jedes einzelne Bild betrachtete. Die Diaabende meines Onkels gehörten immer zur zweiten Sorte.
Das letzte Bild, das er gemacht hat, habe ich noch nie gesehen. Ich vermute, dass es eine Runde von sechs Personen zeigt, die sich alle bemühen, einen Kloß im Hals zu unterdrücken. Geschwächt von seiner Krankheit, konnte mein Onkel gerade noch die Kamera halten. Aber er musste ein Foto machen, um sich erinnern zu können, wie er sagte. Dass ihm nicht mehr viel Zeit zum sich Erinnern bleiben wird, das weiß er seit einem Jahr. Ihm, der immer die Stimmungen der Menschen so genau gesehen hat, sind sicher auch die sechs Klöße in den sechs Hälsen nicht verborgen geblieben.
Was einem so durch den Kopf geht, wenn man traurig ist. Manche Geschichten gehören nicht ins Internet. Die Geschichte vom besonderen Blick, die soll die Welt wissen.

Samstag, 23. Januar 2010

Ganz einfach

Gestern bin ich gefragt worden, was mich glücklich macht.

So einfach geht das. Schaut euch einmal diesen blauen Himmel an! Nach zwei Wochen fast ununterbrochenem Nebel scheint heute die Sonne, ein strahlend schöner Tag ist das. Und wenn ihr genau hinschaut - am Berghang, in ca. 700 m Höhe ist das, dort wo die Häuser stehen, schmilzt der Schnee.

Freitag, 22. Januar 2010

Danke!

Und nun kommt der komplizierte Teil. Coco, Moni und Annetta haben mir einen Award verliehen.

Diesen hier, über den ich mich sehr freue, aber den inzwischen schon alle bekommen haben. Ich soll ihn an zehn andere Blogger weiterreichen, und das ist jetzt wirklich schwierig. Ich würde sagen, alle, die hier so eifrig mitlesen und ihre Gedanken beisteuern, über die ich mich auch immer sehr freue, sollen ruhig zugreifen.
Die andere Sache ist einfacher zu bewerkstelligen. Ich soll zehn Sachen nennen, die mich glücklich machen. Das ist eine einfache Übung:

1. Lieblingsmann und Lieblingstochter
2. Schneeschmelze
3. Wolle und Stricknadeln
4. Urlaub
5. Bäume
6. die Ankunft der Schwalben
7. gutes Essen
8. mein Sofa nach einem Arbeitstag
9. der erste Kaffee am Morgen
10. Sonnenuntergänge

Diese Liste lässt sich noch beliebig erweitern, das Glück lauert nämlich überall.

Werke

Heimlich, still und leise habe ich diese Woche mein Tuch vollendet. Fertig gestrickt war es schon länger, aber zur Endfertigung konnte ich mich nie aufraffen.


Voilà. Es findet großen Gefallen meinerseits, nur wie ich mir dieses Ding jetzt um den Hals wickeln soll, das ist mir noch nicht ganz klar.

Dann habe ich auch wieder etwas Neues angefangen. Das nächste Weihnachten kommt bestimmt, wie ihr sicher wisst, darum stricke ich jetzt Socken. Nicht nur wegen Weihnachten, sondern auch, weil ich Sockenwollreste für die Sockenwollrestedecke brauche.

Sonntag, 17. Januar 2010

Muss einmal gesagt werden

Die vergangene Woche war heftig. Die nächste Woche wird noch heftiger. Zumindest was die Arbeit betrifft. Aber es gibt Hoffnung. Noch neun Tage, dann habe ich Urlaub. Lechz.
In turbulenten Zeiten ist es natürlich immer gut, wenn man einen Ruhepol hat. So einen wie den Lieblingsmann zum Beispiel. So einen, der einen nach einem harten Arbeitstag mit einem Rucksack voller Wolle aufmuntert. Beim namhaften Diksonter gab es Baumwolle, aber da ich stricksüchtige Person eine lange Sechstagewoche hatte und keine Zeit, um einkaufen zu gehen, hat sich der Lieblingsmann aufgeopfert.

Musste natürlich auch gleich angestrickt werden. Eine Jacke habe ich in Planung.
Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Das Wort Lieblingsmann leitet sich ab von der Liebe.

Sonntag, 10. Januar 2010

Ein bisschen Biologie

Was ich in der Zeitung immer lese, das sind die Leserbriefe. Ich freue mich richtig, wenn ganz viele drin sind. Da lassen sich die Leute über alles Mögliche aus, sie schreiben, was ihnen gefällt, sie ereifern sich über dieses und jenes, geben ihre Ansichten kund. Leserbriefe liefern ein Spiegelbild der Gesellschaft - natürlich nur von denen, die des Lesens und Schreibens mächtig sind, was den Personenkreis etwas einschränkt.
Oft läuft es so ab, dass etwas geschieht, worüber in der Zeitung berichtet wird, und dann äußern die Leser ihre Meinung dazu. So hat es auch vor Kurzem einen Anlassfall gegeben. Irgendwo im Salzkammergut, welcher Ort es jetzt genau ist, weiß ich nicht mehr, findet ein Perchtenlauf statt. Falls jemand darüber nicht informiert ist, Perchtenläufe gehören zum alpenländischen Brauchtum, es gibt schöne und hässliche Perchten, die etwas symbolisieren sollen. Das Austreiben des Winters beispielsweise. Naja, die große Brauchtumsexpertin bin ich nicht, auf jeden Fall findet dieser Lauf statt. Nun ist es erstmals in der Geschichte so, dass an diesem Lauf auch Frauen teilnehmen. Bisher war das eine Männerdomäne. Das hat für große Aufregung gesorgt, und die teilnehmenden Männer haben sich entschlossen zu streiken, weil das nicht sein darf und weil es das noch nie gegeben hat. Soweit die Vorgeschichte.
Auf den Leserbriefseiten wurde dieses Ereignis ausführlich diskutiert. Manche waren für Frauen beim Perchtenlauf, manche dagegen, oft auch ausführlich begründet, warum oder warum nicht. Ein Brief ist mir dabei besonders ins Auge gesprungen. Briefe dieser Art tauchen immer wieder auf, wenn es darum geht, dass für Frauen irgendetwas gefordert wird (bessere Kinderbetreuung zum Beispiel) oder wenn Frauen etwas tun wollen, das immer nur Männer gemacht haben (sich als Perchten verkleiden zum Beispiel). Dann meldet sich eine Frau zu Wort - leider ist es immer eine Frau - die die Forderung aufstellt, Frauen sollten daheim am Herd bleiben, weil das die natürliche Ordnung der Dinge ist. Frauen sind keine Männer, ihre Biologie ist anders, und darum sollen sie daheim bleiben, Kinder bekommen und sich um den Nachwuchs kümmern. Dieser Brief hat nur indirekt etwas mit dem Perchtenlauf zu tun, er erscheint immer wieder, von verschiedenen Frauen verfasst und zu den unterschiedlichsten Themen.
So weit so gut. Frauen sind tatsächlich keine Männer, das kann ich nachvollziehen. Ich gönne es diesen Frauen auch von Herzen, dass sie daheim am Herd ihre Erfüllung gefunden haben, dass sie in der Kindererziehung voll und ganz aufgehen und dass sie vor allem einen Ernährer haben, der das Ganze finanziert. Das gönne ich ihnen wirklich. Und wünsche ihnen auch von ganzem Herzen, dass sie von der fünfzigprozentigen Scheidungsrate nicht betroffen sein mögen, dass ihre Kinder es ihnen zu danken wissen und dass sie auch dann noch ein erfülltes Leben leben, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind.
Was ich ihnen nicht gönne, das ist diese Selbstverständlichkeit, mit der sie dieses Lebensmodell auch allen anderen Frauen aufzwingen wollen. Ich will jetzt gar nicht anfangen mit den Frauen, die - gewollt oder ungewollt - kinderlos bleiben. Aber: Sind dafür unsere Vorgängerinnen auf die Straße gegangen und haben nach langen Kämpfen erreicht, dass Frauen endlich den Männern rechtlich gleichgestellt sind? In Österreich hat das lange gedauert, in den 70er-Jahren war es so weit. Ich habe das große Glück, heute zu leben und nicht vor 100 Jahren, ich habe das große Glück, ein selbstbestimmtes Leben leben zu dürfen, wenn ich das so will, muss ich wirklich darauf verzichten, weil meine Biologie anders ist? Wie komme ich überhaupt dazu? Nein, liebe Hausfrauen, den Gefallen tue ich euch nicht. Lebt ruhig euer glückliches Leben, das ich euch wie gesagt gönne, aber lasst mich doch bitte in Frieden mit euren Forderungen. Auf meinen Rechten muss ich bestehen, auch wenn euch das nicht schmeckt. Soll ich vielleicht meiner Tochter, die so voller Elan das Leben für sich erobert, erklären, dass ihre ganzen Bemühungen sinnlos sind, weil ihr Platz daheim am Herd ist? Bitteschön, was soll das? Lasst mich in Frieden!

Freitag, 8. Januar 2010

Erste Erfolgsmeldung im neuen Jahr

Gestern ist sie fertig geworden, die Jacke für meine Tochter. Dass sich diese Nähte immer so ziehen. Das Stricken geht viel schneller, kommt mir vor.


Hell war es heute den ganzen Tag nie, darum die seltsame Beleuchtung. Der einzige halbwegs helle Platz in der Wohnung war bei der Balkontür am Boden, was meine Katze allerdings sehr interessant gefunden hat, weshalb ich das Fotoshooting sehr bald beendet und mich in dunklere Gefilde verzogen habe.

Entstanden ist alles erst während des Strickens, Anleitung hatte ich keine. Nur bei der Kapuze musste ich nachschauen, so eine habe ich mein Leben lang noch nie gestrickt.
Aber ein wahres Schwergewicht ist das. Sämtliche 20 Knäuel mussten daran glauben. Auf jeden Fall bin ich hochzufrieden.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Langzeitprojekte

Manche können sich vielleicht noch vage erinnern, dass ich vor ewigen Zeiten eine Decke angefangen habe. Es ist nicht so, dass da nichts weitergeht, nur das Tempo ist ein sehr gemächliches. Wenn ich in dieser Geschwindigkeit weitermache, dann wird sie in ca. 2 Jahren fertig sein. Immerhin.

Ich zeige euch jetzt einmal ein Bild davon, um euch auf das Schreckliche vorzubereiten, das nun kommt.
Der Sachverhalt ist dieser: Als meine Tochter das letzte Mal da war, hat sie in meiner Schublade die vielen Sockenwollreste gesehen und gefragt, was ich damit vorhabe. Dann habe ich gemeint, dass ich irgendwann einmal irgendetwas knallig Buntes und Geschmackloses daraus stricken werde. Sie war sehr angetan von dieser Idee und hat vorgeschlagen, eine Decke könnte es werden. Sie würde sich auch als Abnehmerin zur Verfügung stellen. Das ist mir dann natürlich nicht mehr aus dem Kopf gegangen, und so kommt es, dass ich wieder ein angefangenes Projekt habe.


Diesmal wird es aber nicht gestrickt, sondern gehäkelt. Das macht Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft noch mehr häkeln werde. Und wenn ihr lange genug durchhaltet, so gibt es hier in zwei Jahren zwei fertige Decken zu sehen.
Falls ihr euch fragt, was mit meinen restlichen angefangenen Sachen los ist: Beim schwarzen Schal, den ich kürzlich begonnen habe, muss ich eine Zwangspause einlegen. Nach Durchsicht meiner Wollvorräte habe ich festgestellt, dass ich doch nicht so viel von dieser schwarzen Wolle habe, wie ich ursprünglich geglaubt habe. Sie reicht nicht. Die Nachbestellung ist hoffentlich in Arbeit.
Und die Jacke für meine Tochter befindet sich im Endstadium.

Sonntag, 3. Januar 2010

Sonntagmorgen

Ein Bildchen in Ehren kann niemand verwehren.
Morgens früh um 7 vor dem Schlafzimmerfenster: Scharren, Schaben, Stapfen, Schnaufen. Was sagt uns das? Es hat geschneit. An Schlafen ist nicht mehr zu denken. Der Lieblingsmann und meine Wenigkeit erheben sich unwürdevoll (fluchend und die Ungerechtigkeit der Welt beschimpfend), begeben sich zur Kaffeemaschine und werden Zeugen, wie der Himmel in allen Farben zwischen Rosa und Blau leuchtet. Ein wenig versöhnt mit der Welt wird der Kaffee geschlürft und leider zu spät die Kamera gezückt.

Draußen am Balkon klirrende Kälte. Schnell wieder rein, schließlich ist man barfuß, und die funktionierende Heizung gepriesen. Ach, wie haben wir's doch gut! Ein typischer Fall von Sofatag ist das.

Samstag, 2. Januar 2010

Die Dame hängt

Einigen Aufwand haben wir betrieben, um diese Dame ins rechte Licht zu rücken. Möbel verschoben, umgeräumt, den großen Wohnzimmertisch in ein anderes Zimmer gestellt, den Schreibtisch zum Fenster. Plötzlich sieht der Raum viel größer aus.

Und meine Freundin, die Dame mit Hut und Federboa, hat ihren Platz bekommen. Vor vielen Jahren habe ich sie in Wien im Belvedere gesehen, sie ist mir sofort ins Aug gesprungen. Den ganzen Nachmittag bin ich davor gestanden, und das Museumspersonal musste mich am Abend dezent darauf hinweisen, dass Sperrstunde ist.
Jahre später wollte ich sie wieder besuchen. Sie war nicht mehr da. Ich bin der Geschichte nachgegangen und auf eine Liste mit Gemälden gestoßen, die während der Nazizeit ihren rechtmäßigen Eigentümern geraubt und erst Ende des vorigen Jahrhunderts zurückgegeben wurden. Eine ellenlange Liste war das, und auch die Dame fand sich darauf.
Das hat mich in einen kleinen Zwiespalt versetzt. Ich bin froh darüber, dass sie zurückgegeben wurde. Ich bin aber auch froh darüber, dass ich das Original gesehen habe. Sie hat mein Herz erobert, diese Dame, die so lebendig erscheint, als ob sie durch ein Fenster aus einer lange vergangenen Zeit zu uns herüber schaut. Eine rotzfreche Dame, wenn ich das so anmerken darf. Ich mag sie einfach.
Potentiellen Kunsträubern muss ich noch mitteilen, es handelt sich natürlich nicht um das Original. Ein Einbruch lohnt nicht.