Vor ein paar Tagen waren wir einmal bei einem alten Freund eingeladen. Wir kennen ihn schon etliche Jahre, er ist sozusagen ein Freund, mit dem sowohl der Lieblingsmann als auch ich etwas anfangen können. Ein ganz ein Netter.
An diesem Tag war er nicht so gut beisammen. Seine Schritte waren nicht so ganz gerade. Als Grund oder auch Vorwand dafür diente eine frustrierende Beziehungsgeschichte.
Seine Wohnung ist eine von der Art, wo viele Flaschen am Tisch stehen, die Aschenbecher immer voller werden und die Musik sich im Laufe des Abends wiederholt, allerdings immer lauter wird. Falls Fragen auftauchen, warum wir eine solche Wohnung aufsuchen: Siehe oben. Er ist auch einer von denen, die, wenn sie getrunken haben, immer noch nett sind, keiner, der andere anstänkert und meint, sich dann plötzlich alles erlauben zu können. Auch deshalb schätze ich ihn. Wo nichts Böses drin ist, kann auch nichts Böses rauskommen.
Wir sind also dort an seinem Küchentisch gesessen, und die Gespräche kehrten immer wieder zu der Beziehungsgeschichte zurück. Irgendwann stellte er mir dann die Frage, ob ich immer noch in den Lieblingsmann verliebt sei. Was für eine Frage! Verliebt ist gar kein Ausdruck dafür. Der Lieblingsmann ist der großartigste Mann, der auf dieser Erde wandelt. Kann sein, dass das subjektiv gesehen ist, für mich ist es die Wahrheit.
Warum ich das heute so ausbreite, hat einen Grund. Heute vor zehn Jahren habe ich ihn nämlich verführt. Oder hat er mich verführt? Egal, irgendwie so war das. Seit zehn Jahren bleibt mir immer wieder einmal zwischendurch das Herz stehen, wenn ich ihn anschaue. So einen winzig kleinen Herzschlag lang. Dann klopft es wieder weiter. Ganz einfach.
Das wollte ich einmal gesagt haben.
Aber um dieser Geschichte jetzt ein wenig den Tiefgang zu rauben, gibt es noch eine kleine Anekdote aus der jüngeren Vergangenheit: Der Lieblingsmann hat die Jacke, die ich ihm letztes Jahr gestrickt habe, in die Waschmaschine gesteckt. Kein Problem, das mache ich auch immer mit den Stricksachen, funktioniert wunderbar. Ich stelle mich doch nicht hin und wasche das Zeug mit der Hand, also ab in die Waschmaschine. Was allerdings geschehen ist, das ist, dass die Lieblingsmannjacke jetzt eine Kinderjacke ist, was an einem gestandenen Mannsbild eher seltsam aussieht.

Kurz und gut, er wird wieder eine brauchen.