Mittwoch, 6. Januar 2010

Langzeitprojekte

Manche können sich vielleicht noch vage erinnern, dass ich vor ewigen Zeiten eine Decke angefangen habe. Es ist nicht so, dass da nichts weitergeht, nur das Tempo ist ein sehr gemächliches. Wenn ich in dieser Geschwindigkeit weitermache, dann wird sie in ca. 2 Jahren fertig sein. Immerhin.

Ich zeige euch jetzt einmal ein Bild davon, um euch auf das Schreckliche vorzubereiten, das nun kommt.
Der Sachverhalt ist dieser: Als meine Tochter das letzte Mal da war, hat sie in meiner Schublade die vielen Sockenwollreste gesehen und gefragt, was ich damit vorhabe. Dann habe ich gemeint, dass ich irgendwann einmal irgendetwas knallig Buntes und Geschmackloses daraus stricken werde. Sie war sehr angetan von dieser Idee und hat vorgeschlagen, eine Decke könnte es werden. Sie würde sich auch als Abnehmerin zur Verfügung stellen. Das ist mir dann natürlich nicht mehr aus dem Kopf gegangen, und so kommt es, dass ich wieder ein angefangenes Projekt habe.


Diesmal wird es aber nicht gestrickt, sondern gehäkelt. Das macht Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft noch mehr häkeln werde. Und wenn ihr lange genug durchhaltet, so gibt es hier in zwei Jahren zwei fertige Decken zu sehen.
Falls ihr euch fragt, was mit meinen restlichen angefangenen Sachen los ist: Beim schwarzen Schal, den ich kürzlich begonnen habe, muss ich eine Zwangspause einlegen. Nach Durchsicht meiner Wollvorräte habe ich festgestellt, dass ich doch nicht so viel von dieser schwarzen Wolle habe, wie ich ursprünglich geglaubt habe. Sie reicht nicht. Die Nachbestellung ist hoffentlich in Arbeit.
Und die Jacke für meine Tochter befindet sich im Endstadium.

Sonntag, 3. Januar 2010

Sonntagmorgen

Ein Bildchen in Ehren kann niemand verwehren.
Morgens früh um 7 vor dem Schlafzimmerfenster: Scharren, Schaben, Stapfen, Schnaufen. Was sagt uns das? Es hat geschneit. An Schlafen ist nicht mehr zu denken. Der Lieblingsmann und meine Wenigkeit erheben sich unwürdevoll (fluchend und die Ungerechtigkeit der Welt beschimpfend), begeben sich zur Kaffeemaschine und werden Zeugen, wie der Himmel in allen Farben zwischen Rosa und Blau leuchtet. Ein wenig versöhnt mit der Welt wird der Kaffee geschlürft und leider zu spät die Kamera gezückt.

Draußen am Balkon klirrende Kälte. Schnell wieder rein, schließlich ist man barfuß, und die funktionierende Heizung gepriesen. Ach, wie haben wir's doch gut! Ein typischer Fall von Sofatag ist das.

Samstag, 2. Januar 2010

Die Dame hängt

Einigen Aufwand haben wir betrieben, um diese Dame ins rechte Licht zu rücken. Möbel verschoben, umgeräumt, den großen Wohnzimmertisch in ein anderes Zimmer gestellt, den Schreibtisch zum Fenster. Plötzlich sieht der Raum viel größer aus.

Und meine Freundin, die Dame mit Hut und Federboa, hat ihren Platz bekommen. Vor vielen Jahren habe ich sie in Wien im Belvedere gesehen, sie ist mir sofort ins Aug gesprungen. Den ganzen Nachmittag bin ich davor gestanden, und das Museumspersonal musste mich am Abend dezent darauf hinweisen, dass Sperrstunde ist.
Jahre später wollte ich sie wieder besuchen. Sie war nicht mehr da. Ich bin der Geschichte nachgegangen und auf eine Liste mit Gemälden gestoßen, die während der Nazizeit ihren rechtmäßigen Eigentümern geraubt und erst Ende des vorigen Jahrhunderts zurückgegeben wurden. Eine ellenlange Liste war das, und auch die Dame fand sich darauf.
Das hat mich in einen kleinen Zwiespalt versetzt. Ich bin froh darüber, dass sie zurückgegeben wurde. Ich bin aber auch froh darüber, dass ich das Original gesehen habe. Sie hat mein Herz erobert, diese Dame, die so lebendig erscheint, als ob sie durch ein Fenster aus einer lange vergangenen Zeit zu uns herüber schaut. Eine rotzfreche Dame, wenn ich das so anmerken darf. Ich mag sie einfach.
Potentiellen Kunsträubern muss ich noch mitteilen, es handelt sich natürlich nicht um das Original. Ein Einbruch lohnt nicht.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Heimtückisches Virus

Ich schmuggle hier schnell ein Bild vom Watzmann rein, damit es auch wieder einmal anderes als Wolle und Gestricktes zu sehen gibt. Abendstimmung irgendwann in den letzten Tagen.

Dann kann ich nämlich ruhigen Gewissens wieder mit der Strickerei weitermachen. Ein heimtückisches und soweit ich weiß auch ansteckendes Virus hat mich in den Klauen. Nicht die Schweinegrippe, pardon, neue Grippe, sondern diese Strickerei. Die Tochtermütze ist fertig - das Bild nicht berauschend, aber für Dokumentationszwecke geht es schon.

Und nachdem die Weihnachtsproduktion jetzt beendet ist, hat mich eine merkwürdige Unruhe erfasst, und ich bin auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Alle möglichen Projekte schwirren mir im Kopf herum, sinnvolle und unsinnige. Das hier soll ein Schal werden, denn von denen kann man ja bekanntlich nie genug haben. Momentan bin ich für gar nichts zu gebrauchen, dauernd nur Wolle, Stricknadeln, Muster hin und Muster her. Ich komme mir selbst schon ein bisschen bescheuert vor, aber wie gesagt, das Virus. Ich kann nichts dafür...

Sonntag, 27. Dezember 2009

Mützenbericht

Stellt euch statt dem Kürbis einfach den Lieblingsmann vor. Das geht ganz einfach. Der ist so einer, wenn man den auf der Straße trifft, dann dreht man sich nach ihm um und pfeift ihm hinterher. So einer ist das.

Abgesehen davon gibt es hauptsächlich Wolliges zu berichten. Auch meine Tochter hat eine Mützenbestellung aufgegeben. Soll sie haben. Mutter reibt sich die Hände, weil sie wieder was stricken darf.

Und diese geniale Idee hatte meine Schwägerin. Was mich jetzt vor organisatorische Probleme stellt. Zu stricken mit Nadeln Nr. 7, aber auf denen befindet sich gerade die Jacke für meine Tochter. Naja, so viel fehlt nicht mehr, aber ich muss sie trotzdem erst fertig machen, bevor ich mich auf diese Wolle stürzen kann.

Freitag, 25. Dezember 2009

Z'Weihnacht

Vielen Dank euch allen für eure guten Wünsche für Weihnachten. Leider war ich die letzten Tage etwas in Zeitnot, falls ich nicht allen geschrieben habe, möchte ich mich dafür entschuldigen.
Heute ist kurze Weihnachtspause. Meine Tochter war die letzten zwei Tage da, heute weihnachtsfrei, morgen geht's weiter mit dem Familienessen, und nächste Woche kommt wieder meine Tochter. Kurzer Zwischenbericht:


Nett war's bisher und sehr entspannt. Neues für die Wand gibt es, diese Dame, die ich so gerne mag und diese Bäume, die ich auch so gerne mag. Und noch mehr für die Wand, anscheinend sind meine Wände zu kahl.

Den fertigen Schal muss ich auch noch schnell herzeigen, bevor ich ihn morgen verschenke.

Und das mit der Mütze für den Lieblingsmann war auch nicht nur Blabla, der bekommt wirklich eine.
Meine Tochter hatte übrigens einen Sack voll Wolle mit und strickt an einem Schal. So entspannend ist das, war ihre Aussage.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Kälte

Eine Kälte ist das hier, so eine, bei der man meint, wenn man rausgeht, dass man richtiggehend spüren kann, wie die Haut aufreißt. In der Nacht mache ich zum Schlafen sogar freiwillig das Fenster zu, und das will was heißen. Die Sonne scheint mir gerade direkt aufs Termometer, das ich draußen am Balkon hängen habe, und es zeigt immer noch -10° an.

Ich war gerade draußen, weil mich die tiefgefrorenen Schneeflocken fasziniert haben, die über Nacht gefallen sind. Dann bin ich aber ganz schnell wieder reingegangen.
So wird es Zeit für ein Weihnachtsmärchen. Gestern im Bus: Eine alte Frau, sehr ärmlich gekleidet, hauchdünner Mantel, blaugefrorene Finger, setzt sich hin und zittert. So viele Falten wie in ihrem Gesicht habe ich selten vorher gesehen, und sie ist so dünn, dass man glauben könnte, sie fällt gleich in sich zusammen. Im Bus ist es wärmer als draußen, es gibt sogar ein paar Heizstrahler, die Plätze daneben sind heiß begeht, und dort sitzt diese Frau.Eine andere Frau, wesentlich jünger und warm eingepackt, Mütze, Schal, sie fragt: "Ist Ihnen nicht kalt?" Seltsame Frage, denke ich mir. Die alte Frau schüttelt den Kopf. Da zieht die junge Frau ihren Mantel aus und gibt ihn der alten Frau, die vor sich hin schlottert. Drunter hat sie immer noch zwei dicke Pullover übereinander an. Die alte Frau hebt abwehrend die Hände, nein, nein, mir ist nicht kalt. Ich glaube, sie ist beschämt, weil ihre Armut für alle sichtbar geworden ist. Aber den Mantel, den zieht sie an, als sie dann aussteigt.
Eine ähnliche Geschichte gibt es auch in der Bibel. Der Protagonist ist dann heilig gesprochen worden. Hier wird sicher niemand heilig gesprochen. Aber allen, die bei dieser Geschichte dabei waren, ist ein bisschen wärmer geworden.