Mittwoch, 8. Juli 2009

So dahingeschwafelt: über die Macht

Ihr kennt das vielleicht. Da gibt es eine Gruppe von Menschen, im Prinzip sitzen alle im gleichen Boot, aber dann gibt es welche, die meinen, in einem besseren Boot zu sitzen. Solche, denen manche nichts recht machen können. Egal was sie tun, alles ist falsch. Dann gibt es welche, die sich an der Hetze beteiligen, und es gibt welche, die sich nicht beteiligen. Gehässigkeiten werden ausgetauscht, hinter dem Rücken geredet, niemand weiß so recht, warum das alles eigentlich so ist, aber es ist eben so. Es sitzen alle im gleichen Boot, aber sie rudern in verschiedene Richtungen, was einen erheblichen Kraftaufwand bedeutet. Solche Situationen gibt es in der Arbeitswelt, da heißt das Mobbing, aber auch im privaten Umfeld, in der Familie zum Beispiel. Voraussetzung dafür ist, dass mehrere Menschen durch irgendwelche Umstände Zeit miteinander verbringen müssen. Die ganze Situation hat etwas mit Machtausübung zu tun und ist für alle Beteiligten unangenehm, für die, die die Macht ausüben ebenso wie für die, die unter Druck gesetzt werden. Und auch für die, die zwischen den Fronten stehen.
Solche Situationen beobachte ich jetzt schon seit etlichen Jahren in verschiedenen Bereichen. Aber wie man solche Situationen entschärfen kann, das habe ich bis heute nicht durchschaut. Auch sonst niemand, den ich kenne. Ich glaube, es hat auch etwas damit zu tun, dass in dieser Gruppe immer welche dabei sind, die Angst haben, selbst zum Opfer zu werden. Es hat auch etwas damit zu tun, dass es stillschweigend geduldet wird, dass es Opfer gibt. Machtausübung und Angst treffen aufeinander. Wenn die Angst nicht wäre, dann hätte auch die Macht keine Chance. Allerdings gibt es in dieser Gruppe auch welche, die selbst gerne Macht hätten. Das sind die, die mithetzen. Die Mitläufer sozusagen.
Vermutlich habe ich mir die Antwort jetzt selbst gegeben. Das Stillschweigen ist es. Das Dulden. Danke, Margot, dass du diesen Artikel geschrieben hast. Aber ein bisschen werde ich doch noch darüber nachdenken müssen.

Kommentare:

  1. Das ist einer der besonderen Artikeln! Du hast dir schon selbst gedankt, ich danke dir auch!

    AntwortenLöschen
  2. ich danke auch mal ;o) leider hört man ja immer wieder so etwas...

    AntwortenLöschen
  3. Ich dulde nicht;-)ich spreche es aus.Direkte Konfrontation,auch Zivilcourage.Ich gebe zu druch meine Schulung fehlen mir dann auch nicht die Argumente. Habe selber keine Mobbingerfahrung, aber Julia in der Schule. Wir haben uns gewehrt und der Spuk war schnell vorbei.Die Lehrerin hat auch gut mitgearbeitet.Wehrtet den Anfängen!!Mittlerweile gibt es hier Mobbing schon in der dritten Klasse. Das ist heftigst wie die Kinder das Spielchen mitmachen.liebe Grüße Manuela

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Margot!
    Die menschliche Seele - wer will sie ergründen?
    Wir leben in einer Zeit, in der sie sozial geprägten Verhaltensweisen immer stärker in den Hintergrund treten - nur äußerliche Attribute, wie Kraft, Macht, Stärke, Schönheit, "ewige Jugend" u.ä. faszinieren den Menschen und bringen seine Seele zum Klingen!
    Kein Wunder, dass Schwache und Benachteiligte auf der Strecke bleiben.
    JEDER ist sich selbst der Nächste!!! Zivilcourage, Mitgefühl und Nächstenliebe scheinen sich immer stärker zu verflüchtigen.
    Auch die Kinder verrohen immer früher!
    Ich rede nicht von Einzelnen, die treu ihren selbstlosen Kurs verfolgen.
    Wie schon bei den NAZIS - es sind immer nur wenige, die sich nicht von der Masse mitreißen lassen,und... sich ihre Menschlichkeit bewahren.

    Wahrlich keine erbaulichen Zukunftsaussichten!

    Einen lieben Gruß sendet Dir Anna

    AntwortenLöschen
  5. Es wird immer Menschen geben, die über andere bestimmen wollen und müssen. Und vielleicht braucht die große Masse auch immer wieder mal einen Schubs um sich zu bewegen. Es ist nur schlimm, das sie sich häufig in die falsche Richtung bewegt. LG doris

    AntwortenLöschen
  6. Ach, Jürgen und Betty, vielen Dank zurück! Ich hab' da so vor mich hingeschrieben und bin dann unterm Schreiben auf neue Gedanken gekommen, vielleicht ein Lösungsansatz, vielleicht aber auch nicht. Ist auch sehr allgemein gehalten, ich möchte hier keine Personen bloßstellen, auch wenn es um eine sehr reale Situation geht, in der ich nicht das Opfer und auch nicht die Täterin bin.
    Manuela, ich glaube, in der Schule lässt sich so etwas noch leichter lösen, weil es dort in der Regel Autoritätspersonen (Lehrer) gibt, die ein Interesse daran haben, dass nicht gemobbt wird. Schwieriger wird es, wenn solche Personen fehlen. Aber wenn du gute Argumente hast, vielleicht könntest du sie mir einmal hierher rüberwachsen lassen?
    Anna, wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller geht oder gehen muss und sich die Menschen immer weniger Zeit nehmen, um nachzudenken. Weil du hier die Nazis erwähnst - die mich immer noch beschäftigen und über die ich im nächsten Urlaub weiterschreiben werde - im Zusammenhang mit den Nazis habe ich den Begriff der Erbsünde verstanden, mit dem ich bis dahin nichts anfangen konnte. Ich glaube, dass zwar die Zeit vorbei und die jetzigen Generationen keine Schuld tragen, dennoch aber Werte und Verhaltensweisen aus dieser Zeit an die Nachgeborenen weitergegeben wurden, manchmal bewusst, manchmal sogar unbewusst. Auch deshalb ist der Spuk noch nicht vorbei.
    Doris, tatsächlich würde ein Schubs hin und wieder nicht schaden. Aber wer gibt ihn, und in welche Richtung?
    Euch allen herzlichen Dank dafür, dass ihr euch mit meinen Zeilen beschäftigt habt. Eure Meinungen waren, so glaube ich, hilfreich.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  7. Du hast so Recht! - es sind die Ducker, die Weggucker, die stillen Voyeure, die "Geht-mich-nix-sn" und die "ich-kann-doch -da-eh-nix machen" Sager, die es erst ermöglichen, daß Macht i.S. vom Vorteil für den/die Mächtigen aufgebaut werden kann.
    Egal, ob es durch Duldung oder Käuflichkeit geschieht - beides sind die Ergebnisse von Feigheit.
    Wobei man nicht vergessen darf, daß Macht an sich nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muß.
    Das ist sie nur, wenn sie gepaart mit Eitelkeit und Eigennutz daher kommt.
    Macht bedeutet Stärke - und sie kann für oder gegen etwas eingesetzt werden.
    (so gibt es ja auch die Macht der Liebe, die des Wortes etc.)
    Aber ich will jetzt keinen Ergänzungsaufsatz schreiben, obwohl es soooo reizt... ;-))
    Bussi
    mo

    AntwortenLöschen
  8. Die stillen Voyeure, das ist ein treffender Ausruck, mo. Wobei das "Geht mich nix an" sehr relativ ist, ich denke, es geht mich sehr wohl was an.
    Bin schon sehr gespannt auf deinen Ergänzungsaufsatz, habe so den Eindruck, es juckt dich in den Fingern...
    Liebe Grüße von Margot

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass ihr bis hierher gelesen habt und freue mich noch mehr, wenn ihr eure Meinung dazu sagt.