Montag, 20. Juli 2009

Zwangsbeglückung

Vor ein paar Wochen - draußen Regen, drinnen Mittagsschläfchen - läutete bei mir das Telefon. Missmutig erhob ich mich, gähnend und die Augen reibend, und ergriff den Hörer. Eine gelangweilte Frauenstimme meldete sich: "Guten Tag, spreche ich mit Frau Margot?" Ich wollte schon auflegen, in der Annahme, dass ich sonst Opfer einer Telefonumfrage über meine Schlafgewohnheiten oder ein ähnlich langweiliges Thema würde, da wurde ich belehrt: "Ich wollte Sie nur darüber informieren, dass Sie zwei Wochen lang die Tageszeitung ... bekommen." Zack, aufgelegt, keine Widerrede. Diese Tageszeitung, deren Namen ich gar nicht nennen will, würde ich nie kaufen. Ich will sie nicht einmal geschenkt.
Es gibt in Österreich schreckliche Zeitungen, diese hier ist die Schrecklichste von allen. Momentan war ich sehr verblüfft, legte mich dann aber wieder aufs Ohr, um mein verdientes Schläfchen fortzusetzen, nachdem auch der Lieblingsmann einen Missfallenslaut von sich gegeben hatte. Der Vorfall geriet in Vergessenheit bzw. wurde tunlichst verdrängt.
Aber heute war es so weit. Diese schreckliche Zeitung war in meinem Postkasten. Ich habe kurz darin geblättert, da wird mir von dämlich grinsenden Prominenten erklärt, was für Gewand ich im Sommer zu tragen habe, dabei soll ich mich womöglich lasziv auf dem Bürostuhl räkeln, dann wird mir nahe gelegt, ein Luxusauto zu erwerben, eine Seite ist vollgefüllt mit winzigen Meldungen aus der Innen- und Außenpolitik, der Rest ist Fußball. Was mache ich jetzt mit diesem Käseblatt? Die Vorstellung, jetzt täglich dieses Machwerk zum Altpapier tragen zu müssen, ist mir zutiefst zuwider. Da beglücken sie einen mit etwas, das man nie haben wollte, und dann muss man sich selbst um die Entsorgung kümmern. Spam ist das, jawohl! Trägt wahrscheinlich zum Wirtschaftswachstum bei. Wollte ich nur schnell melden, um meinem Unmut Luft zu machen.

Kommentare:

  1. Is ja der Hammer diese Geschäftspraktik. Junge junge... ich hätte getobt. Wahrscheinlich sogar bei der Geschäftsstelle dieser Zeitung angerufen und gefragt, was das soll.

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  2. Hallo Margot,
    ich habe kürzlich eine zweite große Papiertonne geordert,wir haben dummerweise an unserem Bauernhaus 3 Eingangstüren! da flattert der Werbemüll gleich dreifach herein !
    LG Uschi

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  3. Vielleicht solltest du jeden Tag die Zeitung an den Verlag zurück schicken... Entgeld bezahlt Empfänger, natürlich. Womöglich fragt dann wenigstens mal jemand nach :-)
    Liebe Grüße
    Jenny

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  4. Liebe Margot, ich hätte bei der Zeitung angerufen und hätte gefragt was die von mir wollen. Ob sie noch ganz klar kommen in ihren kleinen Welt. Also ich hätte mir das nicht gefallen gelassen! liebe grüße annetta

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  5. Liebe Margot, ist ja wohl eine Unverschämtheit!!! Ich schreie ganz LAUT H I E R H E R mit der Zeitung ich kann sie gebrauchen, weißt ja wofür...
    Liebe Grüße
    ach ja mußt aufpassen, so ähnlich haben die es mal mit meiner Tochter gemacht und später kam dann die Rechnung!

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  6. Haste bei dem Käseblattbetrieb nochmal angerufen und denen gesagt die sollen ihren Sch... behalten?!

    Nicht dass das nachher in ein Abo übergeht...

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  7. Hallo Margot!
    Kann gut nachvollziehen, dass Du sauer bist. Da bekommt man etwas aufs Auge gedrückt und hat noch nicht einmal die Möglichkeit, adäquat die Annahme zu verweigern!
    Zeitungspapier eignet sich aber sehr gut zum Fenster polieren, Kartoffeln schälen oder für nette Pappmaché-Figuren.

    Einen relaxten Feierabend wünscht Dir Anna

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  8. Vielen Dank für euer aller Mitgefühl. Inzwischen ist mein Ärger verraucht, das Käseblatt wird täglich ungelesen in ein Eck geworfen. Für den Biomüll hat es leider ein ungünstiges Format, Pappmaché fange ich mir nicht auch noch an, morgen wird alles in hohem Bogen entsorgt. Oder Kerstin, soll ich ein Päckchen nach Aachen schicken?
    Liebe Grüße euch allen!

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Ich freue mich, dass ihr bis hierher gelesen habt und freue mich noch mehr, wenn ihr eure Meinung dazu sagt.