Sonntag, 16. August 2009

Das liebe Geld

Gestern also im Gastgarten. Umschwärmt von ganzen Geschwadern von Wespen gab es Hausmannskost und Familie. Familie gibt es öfters. Und da gibt es so manche Themen, die immer wieder auftauchen. Eines davon, von dem meine Mutter regelrecht besessen ist, ist das Geld. Nicht dass sie so besonders sparen müsste, meine Eltern kommen sehr gut über die Runden, aber das Geld war immer ein Thema, solange ich zurückdenken kann.
Da taucht dann auch immer wieder die Behauptung auf (nicht nur bei meiner Mutter übrigens), dass die Lebensmittel so teuer geworden sind. Schuld daran sei die EU, der Österreich seit 1995 angehört. Seit 2002 gibt es den Euro, davor hatten wir als Währung den Schilling. Nun hat meine Mutter die Angewohnheit, sämtliche Preise in Schilling umzurechnen und dann auszurufen: "Ist das teuer!" Was meine Mutter dabei nicht einrechnet, ist die Inflation, die auch mit dem Schilling stattgefunden hätte. Es wäre sowieso alles teurer geworden, ob jetzt mit Schilling oder mit Euro, so meine Meinung, die natürlich auch subjektiv sein kann.
Meine eigenen Beobachtungen zu diesem Thema unterscheiden sich etwas von denen meiner Mutter. Ich habe beobachtet, dass mit dem Beitritt zur EU die Lebensmittelpreise in Österreich erheblich gesunken sind und mit der Einführung des Euro noch einmal ein gewaltiger Sprung nach unten stattgefunden hat. Manchmal habe ich mich sogar gefragt, wie es möglich ist, Lebensmittel so billig zu produzieren. Heute, so habe ich den Eindruck, sind die Preise wieder in etwa auf dem Niveau von vor dem EU-Beitritt angelangt.
Statistiken dazu gibt es auch. Im Jahr 1994 gaben Österreichs Haushalte 16,9 % ihres Einkommens für Lebensmittel aus, heute sind es 13 %.
Und dann habe ich noch einen sehr subjektiven Nachtrag zu diesem Thema: Oft flattern mir ja Prospekte von allen möglichen Geschäften ins Haus, deren Namen ich hier nicht anführen möchte, aber es sind auch welche dabei, bei denen meine Mutter gerne einkauft. Da gibt es dann manchmal solche Angebote, die z. B. lauten: 1 kg Schweinefleisch um 2 Euro. Meine Gedanken, wenn ich so etwas lese, gehen dann in die Richtung: "Armes Schwein, was für ein Leben hast du gehabt?"

Kommentare:

  1. Ich glaube, das Umrechnen alte/neue Währung sitzt bei den alten Leuten drin. Meine Mutter ist da genau so. Alles, was wichtig genug erscheint, es beim Preis zu benennen, erfolgt mit dem Kommentar "Das wären ja soundsoviel DM!" Hört sich natürlich ohnehin sofort teuer an, weil ja mit zwei multipliziert wird.

    Ist vielleicht mein subjektiver Eindruck oder es ist wirklich anders als in Österreich, ich empfinde Einkäufe mit dem Euro doch viel teurer, wobei ich nicht so eine Statistik parat habe, welchen Anteil ihres Einkommens die Haushalte im Vergleich jetzt und zu DM-Zeiten für ihre Lebensmitteleinkäufe aufwenden müssen. Vieles ist mit dem Euro praktisch verdoppelt worden an Preis, halt einfach DM-Preis in Euro umgewandelt z.B. bei Obst und Gemüse.
    Wobei es sicherlich auch Angebote gibt, wie du sie mit dem Schweinefleisch für 2 EUR das Kilo anführst, die so niedrig sind, dass man nicht an eine reelle Berechnung der Produktionskosten glauben kann. Das sind aber in meinen Augen Lock-Angebote, die den Blick auf das Gesamte verschleiern.
    Liebe Grüße,
    du scheinst den Selbstversuch mit der Bratwurst ja gut überstanden zu haben ;-)
    MARiON

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  2. Ich gehöre zwar nicht unbedingt zu den alten Leuten, aber ich rechne auch immer noch in die gute alte D-Mark um ... über das "Ergebnis" bin ich dann auch erschrocken!!! Nutzt aber nicht viel: essen und trinken muss ich trotzdem!!! Außerdem sage ich mir immer: was jammerst Du eigentlich? Es gibt Länder, wo Hungersnot herrscht ... wir wissen gar nicht zu schätzen, wie gut es uns wirklich geht!!!

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  3. Ick bin nicht aaaaaaalt :o) aber trotzdem hab ich ab und an Phasen wo ich in DM rechne. Allerdings wenn ich es jedes mal machen würde, ist die Gefahr groß das ich mich jedesmal aufregen würde. Solche Kampfpreise können auch nur Große Ketten machen. Da zahl ich lieber mal einen Euro beim Fleischer mehr und bilde mir ein das es besser ist :o) obwohl man das heute eh alles nicht weiß woher es kommt und was da alles in den Lebensmitteln drinne ist.

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  4. Wenn ich vernünftige Sekunden habe, rechne ich auch um. Und wundere mich bzw. bin wirklich oft wütend - Deutschland gehört nämlich zu den wenigen EU-Ländern, die ohne "Vorschriften an Handel und Industrie" ihre Währung umgestellt haben - mit dem Ergebnis, daß wirklich Vieles fast 1:1 umgeschrieben wurde.

    Eine weitere Verbraucherfalle, die selten angesprochen wird, ist das subjektive "Wertgefühl" - womit ich meine, daß die ZAHL vor dem €-Zeichen in ein Raster gedrückt wird, das "billig" signalisiert.

    2 € für eine Rose entsprichtdann gefühlten 2 DM und nicht dem tatsächlichen Wert von ca. 4 DM.

    So waren für mich z.B. Österreich oder Italienurlaube immer preiswert, weil die Zahl vor dem Währungszeichen so hoch war - und man automatisch erst einmal einen Schrecken bekam und dann umrechnete.
    Jetzt ist - für den Deutschen - die Zahl vor dem € niedriger, und schon sitzt er in der Falle.
    Zumindest diejenigen, die mit der DM aufgewachsen sind.

    Noch schlimmer muß es eigentlich den "alten" Ostdeutschen ergehen - von der Mark in die DM (4 Ostmark = 1 DM) und nun in den Euro....

    So manches mal wünsche ich mir langsam einen guten, vernünftigen Tauschhandel zurück...aber das fängt ja langsam auch schon wieder an.

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  5. Auch ich schliesse mich meinen Vorrednern an und gestehe das ich immer noch in DM umrechne!Es heisst ja jetzt das die Lebensmittelpreise um,ich glaube es waren 0,3% gefallen sein sollen.Gemerkt habe ich aber ehrlich gesagt davon nicht viel.

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  6. Bevor der Euro kam, habe ich eigentlich nur Brötchen und Süßigkeiten selbst gekauft, ich habe mich dran gewöhnt und nach einem Monat habe ich damals auch aufgehört umzurechnen. Meine Oma dagegen rechnet ständig in DM um und danach noch in DDR-Mark. Von mir ist das alles wahnsinnig weit weg...

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  7. Liebe Margot, ich rechne auch oft noch in DM um und öfters mehr als erschrocken wenn man die Preise sieht...

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  8. Hallo Margot, jep was soll ich sagen, ich rechne auch immer noch um und passe. Als die Umstellung auf den Euro kam, wurden die meisten Artikel 1:1 umgestellt, das fand ich schon frech weil man uns ja vorgelogen hatte das ein Teuro zwei Mark wert sein sollte, das konnte man natürlich knicken, da kostete dann z.B. eine Salatgurke bei Famila auf einmal 1,10 Teuro. Aber jammern nutzt nicht viel, ich führe seitdem einen Wochenplan zum kochen und vergleiche mehr als zu D-Mark Zeiten die Preise, lieber Gruß Regina

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  9. Hallo Margot,

    Christoph liest gerade das "Schwarzbuch der Markenfirmen" oder so ähnlich und erzählt hin und wieder davon. Und allein dadurch bin ich zu dem Schluss gelangt, dass wir bestimmte Produkte nicht mehr kaufen werden. Viele Dinde sind wirklich nur so günstig, weil einige Menschen da eine große Sauerei machen - leider.
    Liebe Grüße,

    Steffi

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  10. Es stimmt schon, das einige Sachen teurer geworden sind, aber wie du schon sagst, da ist auch ein bisschen die Inflation mit dran schuld. ich sag mir immer, Wenn ich mir was nicht leisten kann, dann bleibt es eben im laden und solang ich noch satt werde und ne warme Wohnung habe, habe ich nicht wirklich nen Grund mich zu beklagen.

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  11. Eure Meinungen habe ich teilweise mit Verwunderung gelesen, nicht, weil ich euch nicht glaube, sondern weil ich den Eindruck hatte, wir leben auf zwei verschiedenen Planeten. Ein bisschen ist es mir erschienen wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen, denn anscheinend sind die Verhältnisse in Deutschland wirklich anders als in Österreich.
    Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit vor unserem EU-Beitritt erinnern. Da war es üblich, dass die Salzburger (ich lebe in einer Grenzstadt) zu Schmuggelfahrten nach Freilassing aufbrachen, weil jenseits der Grenze alles billiger war. Wenn man nicht erwischt worden ist, dann hat sich das schon ausgezahlt. Heute ist es eher umgekehrt, heute fahren die Deutschen oft zu uns einkaufen.
    Auch war ich zu jener Zeit eher knapp bei Kasse, was eine andere Geschichte ist, und ich kann euch sagen, zuerst den EU-Beitritt und danach die Euro-Umstellung habe ich wirklich gespürt. Plötzlich blieb am Monatsende noch Geld übrig. 1 zu 1 umrechnen ging bei uns nicht, anfangs wurde wirklich alles sehr genau von Schilling in Euro umgerechnet. Mit der Zeit hat es sich allerdings wieder eingependelt auf die üblichen 99 Cent hinter dem Komma. Trotzdem, selbst wenn ich umrechne in Schilling, komme ich zu dem Schluss, dass heute noch vieles billiger ist als vor 15 Jahren. Die damaligen Lebensmittelpreise habe ich noch sehr genau im Kopf, eben weil ich damals so genau rechnen musste.
    Ich glaube auch nicht, dass das Umrechnen in die alte Währung unbedingt etwas mit dem Alter zu tun hat. Ich beobachte das auch bei jungen Leuten. Aber die letzten bekannten Schillingpreise sind die von 2001. Auch wenn wir nicht auf Euro umgestellt hätten, hätten sich die Preise in der Zwischenzeit geändert.
    Was ich allerdings nicht geschrieben habe, ist, dass sich die Einkommen in dieser Zeit nicht wesentlich erhöht haben. Treffen tut's natürlich die, die sowieso schon zu wenig haben. Aber auch das ist wieder ein eigenes Thema.
    Euch allen sage ich herzlichen Dank fürs Nachdenken. Ich habe wieder etwas dazugelernt.
    Liebe Grüße von Margot

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  12. Liebe Margot,
    da möchte ich mich doch auch als DM-Umrechner "outen". Ja ich tue es auch und ich bin brandwütend darüber, was aus den Preisen geworden ist. Das mit der Inflation stimmt schon, irgendwie wäre diese bestimmt auch gestiegen aber alleine die Vorstellung, die freundliche Verkäuferin beim Bäcker sagt beim Kauf eines Körnerbrotes: "Das macht dann 8 Mark 25" wäre nicht vorstellbar. Oder für einen Wasserweck 60 Pfennig zu verlangen hätte die Menschen sehr verschreckt. Allerdings erkenne auch ich, dass etliche Dinge billiger (Computer und Wamas) geworden sind oder den Preis ungefähr gehalten haben (2,55 für ein Pfund Kaffee im Angebot)- was ist hier eigentlich mit der Inflation? Ich möchte aber dringlichst zu bedenken geben, dass wir früher ca 100,- DM für Strom bezahlt haben, heute sind es satte 132,- Euro. Da diese Entwicklung überall stattgefunden hat, müssen viele Familie, zu denen wir auch zählen, mit jedem Cent rechnen und deshalb erscheinen viele Dinge derart überteuert und auch wenn das Gewissen zwickt, wir müssen die Sonderangebote kaufen sonst bliebe uns ab der Hälfte des Monats nur noch hungern.
    Liebe Grüße
    Sabine

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  13. Liebe Sabine, dass viele Familien sehr genau rechnen müssen, ist eine Tatsache. Auch habe ich den Eindruck, dass es heute mehr Familien betrifft als früher. Ich weiß nicht genau, wie das in Deutschland ist, ich nehme an, ähnlich wie bei uns. Hier ist es so, dass die Zahl der armutsgefährdeten Menschen erheblich zugenommen hat. Was unter anderem daran liegt, dass wesentlich mehr Menschen arbeitslos sind als damals und dass Sozialleistungen (Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Familienbeihilfe, Renten) kaum jemals erhöht werden. Tasächlich gibt es heute mehr Menschen, die mit sehr wenig auskommen müssen. Das ist nicht mehr nur ein Problem von einigen wenigen. Und am meisten armutsgefährdet sind bei uns Familien mit mehreren Kindern. So ist das, ja.
    Liebe Grüße von Margot

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Ich freue mich, dass ihr bis hierher gelesen habt und freue mich noch mehr, wenn ihr eure Meinung dazu sagt.