Mittwoch, 17. Juni 2009

Momentaufnahme

Bei der Bushaltestelle. Zwei Frauen stehen da und unterhalten sich prächtig. Sie sind vergnügt, lachen und tratschen, wie man das den Frauen oft nachsagt. So als ob hier zwei Freundinnen stehen und sich über Gott und die Welt unterhalten. Beide sind sie tief verhüllt, mit bodenlangen Gewändern und einem Schleier auf dem Kopf, der nur das Gesicht frei lässt. Eine ist eine Muslima, die andere eine Nonne. Und ich stehe daneben und mache mir Gedanken über Sinn und Zweck ihrer Kopfbedeckungen.
Als ich Kind war, war es bei uns üblich, dass Frauen ein Kopftuch trugen. Wenn sie kein Kopftuch aufhatten, dann zumindest einen Hut. Das gehörte sich so. Der Kopf musste bedeckt sein. Ich war Kind zu einer Zeit, als in Österreich Männer und Frauen noch nicht rechtlich gleichgestellt waren. So ganz alt bin ich noch nicht, aber das ist in Österreich noch nicht so lange her.
Als ich Kind war, erschienen mir diese Kopfbedeckungen oft sehr lächerlich. Da gab es Szenen, wo ich in die geheime Welt der Friseursalons mitgenommen wurde. In einer Reihe saßen da Frauen mit Lockenwicklern unter den Trockenhauben (gibt's die überhaupt noch?), wurden herausgeputzt und hatten danach seltsame Locken auf dem Kopf. Dann betrachteten sie sich im Spiegel, waren mehr oder weniger zufrieden, gingen hinaus bei der Tür und banden sich ein Kopftuch um. Ich möchte nicht wissen, wieviel dann von den Locken noch übrig blieb. Sie war auf jeden Fall sehr merkwürdig, diese Kopfbedeckerei. In gewisser Weise erschien sie mir immer wie ein Zwang.
Mit etwas Verspätung erreichte die große Freiheit dann auch unser Fleckchen Erde. Plötzlich sah man keine Kopftücher mehr. Auch die Hüte wurden seltener.
Daran muss ich denken, wenn ich bei uns verschleierte Frauen sehe. Kann aber auch sein, dass das eine sehr einseitige Sicht der Dinge ist. Ziemlich wahrscheinlich sogar. Aber es fällt mir schwer, in einem Kopftuch ein religiöses Symbol zu sehen. Für mich ist das ein Symbol der Ungleichbehandlung.

Kommentare:

  1. Bei den Muslimen ist es eher die Denkensweise, ALLES, was eine Frau "anziehend" wirken lässt, vor anderen Männern zu verstecken! Haare, besonders lange, wirken halt auf Männer attraktiv und machen eine Frau weiblicher - also begehrenswert. Aufgrund ihrer Religion wird ihnen dieses untersagt!

    Solange die Frauen dies freiwillig "leben", finde ich es völlig in Ordnung! Schlimm finde ich, wenn sich andere Nationen daran stoßen und es verbieten wollen!

    Lieben Gruß, Claudia

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  2. Liebe Margot
    wir haben auch viele verschleierte Frauen hier. Richtig verschleiert auch kein Gesicht zu sehen. Ich persönlich finde das absolut NICHT gut. So lange hat es gedauert das wir Frauen in Deutschland uns emanzipiert haben. Frauen gehen zur Bundeswehr, tragen Hosen, üben Männerberufe aus, leben alleine.........und dann soll es das normalste der Welt sein das Frau sich total verhüllt? Wozu? Das passt nicht zusammen. Damals sagte mir eine Marokkanerin; sie trägt Kopftuch damit Gott ihr nicht auf den Kopf spuck...he? Irgendwie legt sich jeder zurecht denke ich wie er es braucht. Ich kenne Muslima, manche tragen Kopftuch(keinen Schleier) und westliche Kleidung/ andere tragen kein Kopftuch. Ich habe letztens ein Kind gesehen, ca. 4 Jahre und es hatte den kompletten Kopf und Hals verhüllt, hallo, was ist das denn? Das schreibt nicht deren Religion vor! (Erst ab Pubpertät, wenn Kind es selber!!! möchte)
    Ich will jetzt nicht zuviel schreiben ist ja ein Kommentar und kein Post aber; ich denke mir das so; wenn ich in ein Land gehe, wo die Frauen sich total verschleiern, werde ich bestimmt nicht! halb nackig da rum laufen, hat immer mit gegenseitigem Respekt zu tuen! Und woher weiß ich, zb in der heutigen gewaltbereiten Zeit, was der/die (?) verschleierte unter ihrem Gewand trägt?
    Hinzu kommt, (hier auf jeden Fall) das du mit diesen Frauen keinen persönlichen kontakt bekommst, sie leben weiter wie sie es immer getan haben, bei sich zu Hause das kann es doch nicht sein?
    Liebe Grüße

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  3. sorry habe gerade Claudias Kommentar gelesen, zeig mir die Frau, die sich gerne freiwillig von Kopf bis Fuß verschleiert, denk mal an Afghanistan, da ist nix mit freiwillig!!!Du solltest dabei bedenken; Sie leben laut ihrem Kalender in einem ganz anderem Jahrhundert als wir.

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  4. @ Kerstin:
    Sorry, aber ich habe nicht geschrieben, dass sie alle freiwillig ein Kopftuch tragen - ich habe geschrieben: solange, also WENN, sie es freiwillig tragen, finde ich es okay. Es gibt durchaus Frauen, die dies gerne tun! Aber ich möchte mir nicht anmaßen, über anderer Länder/Kulturen Religion zu urteilen, dazu habe ich weder das Recht, noch deren Denkensweise.

    Wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, ins Ausland ziehe, möchte ich mir jedenfalls nicht deren Religion aufzwängen lassen, sondern die leben dürfen, mit der ich mich wohlfühle ... solange dadurch kein Dritter Schaden erleidet!

    Sicherlich legen z.B. Muslime den Sinn des Kopftuch-Tragens anders aus ... aber ein katholischer Bayer lebt seinen Glauben auch anders aus als vielleicht ein Rheinländischer!? Manchmal sogar schon der Nachbar von nebenan ...

    Oder was verstehen so manche Priester, Pfarrer, Bischöfe unter GLAUBEN, den sie als ihre Berufung ansehen, aber gleichzeitig Kinder missbrauchen? "Dürfen" sie DAS ... im Namen Gottes?

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  5. hier bei uns gibt es auch viele verschleierte frauen. man merkt manchmal auch richtig das diese frauen rein gar nichts zu melden haben, während die männer dazu hier den larry machen und die totale freiheit geniessen. religion hin oder her, ich finde es füchterlich, beosonders im sommer, sich so einzuwickeln. und mir kann niemand erzählen, das man soetwas freiwillig macht, es mag sicher einige ausnahmen geben, aber ich denke das der zwang da in der überzahl ist. dennoch ist es deren recht und religion und das muss man akzeptieren.

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  6. Das ist ein guter Post und manchmal auch ich bin unschlüssig wie ich es einordnen soll. Ich denke auch das es vor allem eine Diskriminierung der Frauen ist. Aber ob das alle so empfinden? Wir leben einfach in einer ganz anderen Kultur. Es ist schwierig sich da hinein zu fühlen. Werde mal genau darüber nachdenken und in mich spüren, in wie weit ich das tolerieren kann oder auch will.Es gibt so viele gravierende Unterschiede in den Ländern und Kulturen. Aber die Diskriminierung oder Gleichstellung de Frauen in der Welt - oft noch gar nicht im Ansatz erreicht. Ein endloses Thema...;-) lg Manuela

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  7. Ach ja die Trockenhauben....kann mich noch gut daran erinnern das meine Oma oft unter so einem Ding gegessenen hat!Und danach hat sie sich dann immer so ein durchsichtiges Kopftuch aufgesetzt!

    Aber jetzt mal zum Thema Glauben.Jede Frau sollte das Recht haben,selber zu entscheiden ob sie verschleiert geht oder nicht.Und man sollte diese Frauen nicht dazu durch einen Glauben zwingen.

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  8. Kerstin und Claudia, ich hoffe, ich habe da jetzt keinen Streit angezettelt! Ich persönlich denke mir immer, soll jede Frau tun, was sie für richtig hält. Aber wirklich das, was sie selbst für richtig hält, nicht das, was irgendein Mann ihr sagt. Abgesehen davon ist das Thema glaube ich viel weiteer gefächert, als mein kleiner Artikel das zum Ausdruck bringt. Ich kenne hier Familien, da geht die Mutter in Jeans und T-Shirt, aber ihre Tochter verschleiert sich. Da denke ich mir dann, das ist auch so eine Art pubertärer Aufstand, der mit Religion vermischt wird. Dann kenne ich Frauen, die kaum ein Wort Deutsch sprechen, den Blick immer gesenkt haben und Koptuch tragen. Bei denen sieht es nach Zwang aus. Und was uns oft gar nicht auffällt, das ist die überwiegende Mehrheit der muslimischen Frauen, die sehr gut integriert sind und denen man es einfach nicht ansieht, weil sie ganauso aussehen wie wir.
    Betty, mit dem Akzeptieren habe ich dann Schwierigkeiten, wenn es unter Zwang geschieht. Ich frage mich auch, wie weit geht das, was muss man noch akzeptieren? Wenn Frauen aus religiösen Gründen beschnitten werden, oder wenn Männer ihre Frauen verprügeln und dann argumentieren, in ihrer Kultur ist das eben so? Ihre Religion akzeptiere ich, aber Recht gilt bei uns unseres.
    Manuela, ich muss dir recht geben, in manchen Fällen tue ich mir hart damit. Dann nämlich, wenn es offensichtlich ist, dass die Frau hier nichts zu melden hat. Ich habe eine Freundin aus Jugendtagen, die hat dann einen Türken geheiratet, ist in weiterer Folge zum Islam konvertiert und trägt jetzt Kopftuch aus Überzeugung, und ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll.
    Kessy, du hast es auf den Punkt gebracht. Danke fürs Reinschauen!
    Liebe Grüße euch allen von Margot

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  9. Hallo Margot,

    ich finde es immer wieder interessant, deine Sicht zu verschiedenen Dingen zu lesen. Mir geht es da ähnlich wie dir. Ich komme zwar nicht aus der Zeit, als man noch einen Hut tragen musste, doch zumindest in der Kirche gehörte sich das so.
    Ich bin der Meinung, dass es Okay ist. Aber nur so lange, wie es die Frauen freiwillig tun. In wie weit das der Fall ist, kann ich jedoch nicht einschätzen.
    Liebe Grüße,

    Steffi

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  10. Liebe Steffi, das Einschätzen ist für mich manchmal wirklich ein Problem. Das sind so Gedankengänge, die mir einfach fremd sind. Manchmal denke ich mir, wenn ich es verstehen könnte, dann täte ich mir leichter, es angemessen zu beurteilen. Kann ich aber nicht.
    Liebe Grüße

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Ich freue mich, dass ihr bis hierher gelesen habt und freue mich noch mehr, wenn ihr eure Meinung dazu sagt.